Dylan begeisterte Publikum zum Tour-Auftakt
Braunschweig (dpa) - Zweieinviertel Stunden Bob Dylan - die meisten der 3500 Fans in der Braunschweiger Stadthalle haben es genossen.
Zwar spielte Dylan vielen in der ersten Stunde zu viel Country und zu viel unbekanntere Stücke. In der zweiten Hälfte des Konzerts gab die Rocklegende seinen Anhängern jedoch das,
was sie wollten: «Blowing in the Wind», «Knocking on Heavens Door», «A Hard Rain's A- Gonna Fall» und andere Klassiker.
Dem im Mai 60 Jahre alt gewordene Rockbarden gelang es, beim Tourauftakt in Deutschland seine Fans ein weiteres Mal zu faszinieren.
Die meisten Besucher blieben bis zum letzten Ton in der Halle. Und auch Dylan scheint dem Braunschweiger Publikum Sympathie entgegen gebracht zu haben:
Acht Zugaben sind keine Selbstverständlichkeit bei seinen Konzerten.
Galt Dylan einstmals als Symbol der Protestbewegung der 60er und 70er Jahre, so vereint er heute die Generationen.
Von angegrauten Birkenstock-Trägern, tätowierten Rockern über gut gekleidete Normalbürger bis zu Teenies war alles im Saal vertreten.
Heiner, Astrid, Heide und Jan Schrobsdorff nutzten das Konzert zu einem Familienausflug.
Vom 48 Jahre alten Vater bis zum 17-jährigen Jan, alle vier Schrobsdorffs fanden die lebende Rocklegende Dylan gut.
«Musikalisch toll, aber er hat noch nicht einmal Tschüss gesagt», bemängelte der 17-Jährige.
Doch ältere Fans wissen, Entertainment war noch nie Dylans Ding.
Die Zeiten, in denen er dem Publikum den Rücken zudrehte und seine Songs total entfremdete, scheinen jedoch vorbei zu sein.
Routiniert und gelassen spielte er ohne Pause einen Song nach dem anderen.
«Er hat die Titel wieder anders gespielt als vor einem Jahr in Hannover. Es waren erstaunliche Versionen dabei», begeisterte sich Arvid Kraft, selbst Musiker.
Klar, auch Krafts Braunschweiger Band «The Twang» spielt Songs von Dylan. Damit befindet sich die Provinz-Gruppe schließlich in guter Gesellschaft:
Jimi Hendrix, The Byrds, The Hollies, Rod Stewart, Bob Marley, Eric Clapton - die Songs keines anderen Musikers sind so oft gecovert worden wie die von Bob Dylan.
Die Person Dylan ist hingegen immer geheimnisumwittert geblieben. Geboren wurde er in der Kleinstadt Duluth (Minnesota) als Robert Allen Zimmermann. Später nannte er sich Bob Dylan nach dem Dichter Dylan Thomas.
Erst kürzlich wurde bekannt, das Dylan seit 1986 sechs Jahre lang verheiratet war. Aus der Ehe mit der Gospelsängerin Carol Dennis hat er eine Tochter, die heute 15 Jahre alt ist.
Der britische Autor Howard Sounes behauptet in einer neuen Biografie, dass die Trennung Hintergrund für die seit Anfang der 90er Jahre laufende «Never Ending Tour» mit bis zu 100 Auftritten pro Jahr sein soll.
Der Star habe einfach Millionen für die teure heimliche Scheidung zusammenkratzen müssen. Egal - solange die Fans so zufrieden wie in Braunschweig das Konzert verlassen.
Nächste Station seiner Tour ist Schwäbisch-Gemünd am Samstag, es folgen Lörrach am 17. und Bad Reichenhall am 18. Juli.